Treffen sich das Private, das Öffentliche, das Politische und die Kunst. Kommt ein Flamingo dazu…

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Treffen sich Tanz, Musik, Performance, Film, Literatur und Konzeptkunst. Kommen rauchende, kranke, geflüchtete, Sport treibende, alte, pflegende, kriechende, postende, wohnende Menschen dazu…

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Neue Verordnungen weisen den Schnecken den Weg in einen neuen Freiraum.

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Freiheit liegt jenseits eines geordneten Festivalprogramms. Ein Festival riskiert sich.

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Die Lage bleibt vorhersehbar unklar. Um die Ungewissheit ordnet sich eine neue Realität.

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Ungewiss sind die Orte und Zeiten eines neuen Ausbruchs: erlaubte Ansammlungen von rauchenden, kriechenden oder tanzenden Menschen.

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Ungewiss ist, wann und wo Sie zum Publikum werden. Oder zu Mitwirkenden. Unvermutet.

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Die Wirtschaft wächst nicht mehr. Die Kunst irritiert nicht mehr. Stuttgart ist (sich) nicht mehr sicher. Zeit für neue Verbindungen, neue Verwandtschaften, neue Wege. Zeit für eine pandemische Utopie!

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Belles de nuit

Les belles de nuit, die Schönen der Nacht, das sind nicht die Jungen, die die Nacht zum Tag machen – das sind Alte – alte Frauen! Sie holen sich den Stadtraum zurück, den sie nach Sonnenuntergang schon lange nicht mehr betreten haben, der sie auch nicht mehr erwartet. Umso auffälliger inszenieren sie mit der Choreografin Lisa Thomas und der Künstlerin Justyna Koeke ihren Auftritt, machen die nächtlichen Straßen zu ihrer Bühne, tanzen und präsentieren in verwegenen Kostümen ihre eigene Bilderwelt.

Konzept und Choreografie: Lisa Thomas

Konzept und Kostüme: Justyna Koeke

Komposition und Musik: Oliver Prechtl

Dramaturgie: Sabine Altenburger

Gesang: Sandra Hartmann

Mitwirkende: Frauen aus Stuttgart und der Region 60+

Choreografische Assistenz: Alexandra Mahnke

 

in der Eröffnung am 21. Juli im Theaterhaus.

© Sarah Tartsch

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Belles de nuit une collection féminine choréographique érotique de mouvements

 

Sie erobern sich die Nacht zurück. Sie trauen sich in der Dunkelheit auf die Straßen und Plätze ihrer Stadt – in Bewegung, tanzend, erotisch und so ausgestattet, dass sich die Passant*innen ungläubig die Augen wischen – wo sind sie hier gelandet?

 

Les belles de nuit, die Schönen der Nacht, das sind nicht wie sonst die jungen Frauen, die die Nacht zum Tag machen und draußen feiern – das sind im Wortsinn alte Frauen! Sie holen sich hier den Raum zurück, den sie nach Sonnenuntergang möglicherweise schon lange nicht mehr betreten haben – aus Unsicherheit, beeinflusst von den Erwartungen ihrer Umgebung.

Im artifiziellen Raum von Les belles de nuit machen sie Plätze und Straßen zu ihrer Bühne, erscheinen sorgsam choreografiert in einer im wahrsten Sinne un-glaublichen Kostüm-Kollektion: Passant*innen wird ein Schwarm schriller, schräger, bunter Vögel begegnen, Gestalten, die changieren zwischen Henne, Krähe, Eule und Flamingo.

Der Musiker und Komponist Oliver Prechtl und die Sängerin Sandra Hartmann komplettieren das surreal anmutende Ereignis live mit einer musikalischen Mixtur zwischen den Welten von Techno und Oper.

© Daniela Wolf
© Daniela Wolf

Lisa Thomas

arbeitet seit fünfzehn Jahren als Choreografin und Tänzerin mit alten Menschen und führt sie an improvisatorisch-performatives Arbeiten heran. Sie verantwortet die künstlerische Leitung des AltenTanzTheaters Zartbitter und des Festivals VielFalten an der Tanz- und Theaterwerkstatt Ludwigburg e.V. –  2018 initiierte sie die interdisziplinäre Plattform für Instant Composition: SAALFREI für Improvisation und Performance und ist hier Teil der künstlerischen Leitung zusammen mit Claudia Senoner und Alexandra Mahnke (Performance) sowie Oliver Prechtl (Musik) als auch Mitglied 60 + des Performance-Ensembles Instant PIG //Stuttgart.

Lisa Thomas ist Gründungsmitglied der Bundesinitiative Tanzkunst und Alter (2017). Mit ihrer Arbeit will sie »das Beige im Denken überwinden, denn Tanz enthüllt die Schönheit in jedem Körper, ungeachtet seines Alters und seines Bewegungspotenzials«.

Justyna Koeke

wurde 1978 in Krakau/Polen geboren. Die ausgebildete Bildhauerin und Performancekünstlerin arbeitet vorwiegend performativ im öffentlichen Raum. »Viele meiner selbst initiierten Projekte bewegen sich an der Schnittstelle zu politischem Aktivismus.« Partizipation und Intervention sind fast immer die Kernelemente ihrer Arbeiten. Für ihre Performances entwickelt sie oft opulente skulpturale Kostüme. Sie sind wesentlicher Bestandteil der performativen Choreografien, die sie in Zusammenarbeit mit soziokulturellen Aktivist*innen, Musikschaffenden oder Theaterproduktionen entwickelt, »jenseits des oft hermetisch abgeriegelten Kunstbetriebs«. Mit eben dieser Offenheit hat sie ihre ganz eigene Formensprache entwickelt, die sich auf »die Bildwelt des Karnevals und der Groteske stützt«. Für ihre Arbeiten ist Justyna Koeke vielfach ausgezeichnet worden. Ihr Wissen und Können gibt sie weiter als Dozentin der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.