Macho Sounds

Wie beeinflussen die Geräusche von Autos Konstruktionen und Wahrnehmungen von Geschlecht? Wird die Stimme des Autos der Zukunft weiblich sein, und was bedeutet das? Macho Sounds / Gender Noise von Sofia Dona und Daphne Dragona nähert sich dem Auto als Beispiel für eine mächtige Maschine und eine patriarchalische Technologie, untersucht dessen Erscheinungsformen in der Vergangenheit und seine Projektionen in die Zukunft. Menschliche Imitationen von Automotoren, Stimmen virtueller Assistenten, maschinell geschriebene Texte und kinetische Skulpturen fügen sich zu einer individuellen Installation zusammen, die die Vergeschlechtlichung des Autos auf symbolischer und materieller Ebene offenlegt und diskutiert.

 

Das Projekt entstand im Rahmen des Hannsmann-Poethen-Literaturstipendiums 2020.

Mehr Informationen

In dem Projekt Macho Sounds / Gender Noise wird untersucht, wie die gegenwärtige Wahrnehmung von Geschlechtszugehörigkeit durch eigens konstruierte Klänge beeinflusst wird, wie sie mittlerweile in vielen Technologien vorkommen, insbesondere in der Autoindustrie. Macho Sounds / Gender Noise konzentriert sich deshalb auf die konventionellen Autos der Gegenwart, auf elektrische Autos und die Autos der Zukunft. Das Projekt diskutiert mit künstlerischen Mitteln die Tatsache, wie Fahrzeuge, die eigentlich »schweigsam« wären bzw. neutral klingen würden, mit Hilfe »gefälschter« Motorgeräusche das Gefühl für Beschleunigung und Kraft manipulieren, oder wie künstliche Stimmen bei Navigationssystemen standardmäßig weiblich sind, um einem Fahrer zu assistieren und ihm zu gefallen.

Das Auto wurde von Beginn an als eine Maschine mit weiblichen Merkmalen verstanden, als ein Objekt/Körper, den es nicht nur zu fahren, sondern zu besitzen und zu kontrollieren gilt. So wurde eine geschlechtsspezifische Ikonografie entwickelt, in der Frauen als Objekte begriffen werden. Allerdings entwickelte sich parallel dazu eine große Geschichte feministischen Widerstands.

Vor diesem Hintergrund befasst sich Macho Sounds / Gender Noise mit den Auswirkungen von patriarchalisch angelegten Technologien und deren Auswirkung auf die Konstruktion von Geschlechtszuordnungen und wirft aus feministischer und queerer Perspektive eine Reihe von Fragen auf: Wird die »Stimme« des Autos der Zukunft weiblich sein und was würde das bedeuten? Wofür steht das Auto – als mächtige Maschine – in Zeiten von Wirtschafts-, Gesellschafts- und Klimakrise? Wie kann den durch Technologien reproduzierten Stereotypen und Vorurteilen entgegengewirkt werden? Welche Fahrzeuge könnten uns zu nicht regulierten und »lauten« Orten und Welten befördern jenseits von binären Systemen, Hierarchien und Kategorisierungen?

Macho Sounds / Gender Noise ist als audiovisuelle Installation angelegt, die Video- und Ton- sowie kinetische Elemente kombiniert. Thematisiert wird Literatur über Autos, queere und feministische Ansätze im technologischen Bereich sowie einschlägige Feldforschungen in der Stadt Stuttgart. »Motor-Stimmen«, künstliche Stimmen, menschliche und automatisch generierte Texte werden zusammengeführt, um die Vergeschlechtlichung von Technologien auf symbolischer und materieller Ebene offenzulegen und zu diskutieren.

Das Projekt entstand im Rahmen des Hannsmann-Poethen-Literaturstipendiums 2020.

Sofia Dona

ist Künstlerin und Architektin. Sie wurde 2018 mit dem Architekturpreis der Stadt München und 2015 mit dem Fulbright-Stipendium für griechische Künstler ausgezeichnet. Sie hat an Orten wie dem Kunstpavillon in Innsbruck (2019), dem IMAC in Tijuana (2019), der Lothringer13 Halle in München (2018), der Neuen Gesellschaft für bildende Kunst in Berlin (2017), Art Athina (2015) und dem Nationalmuseum für Zeitgenössische Kunst in Athen (2013) ausgestellt. Im Jahr 2016 war Sofia Dona Bewohnerin des Projekts IdeenStadt Athen des Neuen Museums. Sie hat Projekte wie das queer-feministische Festival »Aphrodite« (Athen & Epidaurus-Festival 2018 und 2019) und das Projekt »Enjoy your state of emergency« ko-kuratiert: Kunst und aktivistische Strategien in Zeiten der Krise in Berlin (nGbK 2014). Sie hat mit Essays in verschiedenen Zeitschriften wie der »Finnish Architectural Review«, der »StadtBauwelt« und der Zeitschrift »Quartz« beigetragen und war Mitherausgeberin des Buches »Porous City. Von der Metapher zur städtischen Agenda!« (Birkhäuser, März 2018). Sofia Dona lebt in München und Athen.

Daphne Dragona

ist Kuratorin und Schriftstellerin. Sie wurde an der Fakultät für Kommunikations- und Medienwissenschaften an der Universität Athen promoviert. In ihrer Arbeit setzt sie sich mit künstlerischen Praktiken, Methoden und Pädagogikansätzen auseinander, die zeitgenössische Formen der Macht herausfordern. Ihre Texte wurden in verschiedenen Büchern, Zeitschriften, Magazinen und Ausstellungskatalogen veröffentlicht, unter anderem bei Springer, Sternberg Press und Leonardo Electronic Almanac. Zu Vorträgen war sie u.a. beim Mapping Festival (Genf), im MoMa (New York), im HeK (Basel), bei Arts in Society (London) und an der Leuphana Universität (Lüneburg). Außerdem war Daphne Dragona Konferenzkuratorin des transmediale-Festivals in Berlin von 2015 bis 2019 und hat mit mehreren Kunstinstitutionen in verschiedenen Ländern zusammengearbeitet. Zu ihren jüngsten Projekten gehören »Engineering Care« (Akademie Schloss Solitude & ZKM, Schloss Post, 2019), »Counting Craters on the Moon«, Einzelausstellung von Kyriaki Goni (Aksioma, Ljubljana 2019) und »Tomorrows, Fictions spéculatives pour l’avenir méditerranéen« (Le Lieu unique, Nantes, 2019). Daphne Dragona lebt in Berlin.

© Adam-Berry