Aktivmaterial

Rolltreppen sind unverzichtbarer Bestandteil urbaner Architektur. Sie brauchen Strom, generieren aber auch selbst durch ihre Bewegung mechanische Energie. Diese macht sich das Künstlerduo Zé de Paiva und Kathleen Kunath zunutze. Sie transformieren sie in Strom für eine öffentliche Ladestation für mobile Endgeräte. Passant*innen sind eingeladen, an der Rolltreppe anzuhalten und ihr Handy aufzuladen. Dabei wird über Energie und ihre Speicherung, diskutiert, über Mobilität und über jene Ressource, die die Grundlage dafür ist: Lithium.

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Rolltreppen sind unverzichtbarer Bestandteil zeitgenössischer Städtearchitektur. Sie brauchen Strom, generieren aber auch durch ihre Bewegung mechanische Energie. Diese bleibt normalerweise ungenutzt. Das Künstlerduo Zé de Paiva und Kathleen Kunath macht sie sich in einer Installation an der Rolltreppe in einer Stuttgarter U-Bahnstation zunutze und verwandelt sie wiederum in Strom für öffentliche Handy-Ladestationen.

 

Für ihre Installation Aktivmaterial bauen Zé de Paiva und Kathleen Kunath einen kleinen Motor an eine Rolltreppe. Dieser Motor wird durch die Bewegungsenergie des Handlaufs der Rolltreppe betrieben und beliefert mit der recycelten Energie Handy-Ladestationen.

 

Die Passant*innen sind eingeladen zu verweilen, ihre Handys zu laden und sich über Energie und den Speicher der Zukunft auszutauschen: Lithium-Ionen-Akkus. Diese finden sich nicht nur in Handys und Laptops, sondern auch in vielen modernen Verkehrsmitteln wie in elektrischen Autos und E-Bikes. Sie bilden offensichtlich die Grundlage für die »Energiewende«, für die Hinwendung zu sauberer, erneuerbarer Energie.

Aber wie sauber sind diese Geräte bzw. deren Akkus tatsächlich? Diskutieren Sie mit den Künstler*innen Zé de Paiva und Kathleen Kunath über Funktion, Produktionsbedingungen, Haltbarkeit und Sicherheit von Akkus, ihre Entsorgung, Folgen für Umwelt und Klima und alles, was Sie selbst an Wissen und Fragen in die Installation tragen.

Zé de Paiva

lebt und arbeitet als Videokünstler und Performer in Berlin. Nach seiner Ausbildung zum Fotografen wandte er sich dem Theater zu. 2003 wurde er Mitglied des Teatro Oficina unter Leitung von José Celso Martinez Corrêa in São Paulo. 2009 bis 2018 war er als Tänzer und Videokünstler festes Mitglied der Kompanie Grupo Oito. In Ubuntu (Ballhaus Naunynstraße) verknüpfte er seinen Körper mit technischen Geräten: Kamera und Beamer wurden zu beweglichen, tänzerischen Körper-Organen. Sein Wissen im Umgang mit Technik und sein Interesse, die Performance aus der Interaktion mit derselben zu kreieren, kamen noch stärker bei Cyclops (Ballhaus Naunynstraße) zum Tragen. Als Regisseur stellte er die Kamera ins Zentrum der Performance und warf Fragen zum Thema Bildpolitik auf, während neue Regeln der Aneignung von Kameras und Bildern herausgearbeitet wurden. Seit 2016 arbeitet er als Kameramann und Performer mit Grada Kilomba an deren Videoinstallationen Illusions Vol. I-III.

Kathleen Kunath

lebt und arbeitet als Videokünstlerin und Fotografin in Berlin. Sie studierte Fotografie an der Folkwang Universität der Künste und an der Universidade de São Paulo. 2017 arbeitete sie an Gigo Propagandas Ausstellung Ruhrgebiet JETZT mit. Die Portraitreihe basiert auf Gesprächen mit verschiedenen Akteuren der Region. Prägnante Eindrücke daraus wurden visuell ins Stadtbild zurückgespiegelt. Darüber hinaus wirkte Kathleen Kunath als Beraterin und Schnittbetreuerin im Projekt FILMBUDEN am Tag der Trinkhallen mit (J.-Y. Kluhs, Interkultur Ruhr), das sich mit privaten Filmaufnahmen aus den Jahren 1940-1990 beschäftigt. 2019 entwickelte sie für die Performance Cyclops (Zé de Paiva, Ballhaus Naunynstraße) Videoprojektionen für vier Wände. 2019 war sie am Rechercheprojekt Die Suche nach einem feministischen Körper – Ein Bewegungsarchiv, gefördert durch die Initialförderung der Stadt Berlin, beteiligt. Seit 2018 arbeitet sie als Kameraassistentin bei den Videoinstallationen Grada Kilombas Illusions Vol. II und III mit.