Basketball

Die Sporthalle ist ein Theater. Die Menschen kommen voller Erwartungen, erfahren im Spiel Begeisterung, Enttäuschung u.v.m. Zwei Teams beim Basketball bewegen sich zugleich leicht und energisch bis fast schon brutal. Wo sich alltägliche Erfahrungen mehr und mehr in den digitalen Raum verlagern, ruft »Basketball« den Körper und das kollektive Erlebnis in Erinnerung. Lam Lai komponiert ein Stück für Tänzer*innen und Sportler*innen zwischen Training und Theater, zwischen Wettstreit und Choreografie.

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Aus der Perspektive von Lam Lai ist eine Sporthalle »eine weitere Theaterbühne, ein Ort, an dem Menschen die Begeisterung anderer Menschen körperlich spüren können«. Denn die begeisterten Rufe anderer »bringen das Trommelfell in Schwingung. Und man kommt unbeabsichtigt mit anderen Menschen in Berührung. In Anbetracht der Tatsache, dass unser Leben zunehmend digitalisiert wird, kann diese analoge Realität aber so weit entfernt scheinen wie irgendwelche Erinnerungen an Vergangenes im eigenen Leben«.

 

Basketball ist für Lam Lai ein hervorragendes Beispiel für einen »Raum«, in dem im engeren wie im übertragenen Sinn mehrere durchaus mehrdeutige Realitäten aufeinandertreffen. Fasziniert von dieser Parallele zum täglichen Leben erforscht Lam Lai in ihrem Projekt Basketball mit Tänzer*innen und Basketball-Spieler*innen in der Formation 3+3 Visionen einer möglichen Zukunft, die sich aus dem erzwungenen Verschwinden von Sporthallen ergeben könnte. Denn die Sporthalle, so Lam Lai, ist »ein Ort, an dem die Freude an der Vitalität der Begegnung nur scheinbar im Gleichklang mit ihren äußerst fragilen Verdichtungen aufflackert«.

 

Im Idealfall treffen drei kunstinteressierte Basketballspieler und ein Schiedsrichter auf drei Tänzer*innen und/oder Performer*innen. Lam Lai hofft bei dem Aufeinandertreffen des Sport- und des Kunst-Teams auf vollkommen neuartige Bewegungsmuster: Wenn die Tänzer*innen auf die Sportler mit ihrem hohen technischen Niveau treffen, könnten die absurden Bewegungen der Tänzer*innen die Sportler*innen dazu anregen, auf ihre Weise mit absurden Bewegungen zu reagieren. »Auf diese schönen Momente hoffe ich.« Und dafür komponiert Lam Lai eine Art Soundscape – als Ergänzung oder als Kontrast.

© Lam Lai
© Lam Lai
© Lam Lai
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Lam Lai

wurde in Hongkong geboren. Derzeit arbeitet sie in Europa und Hongkong. Ihr Kompositionsstudium (Masterabschluss) absolvierte sie an der Hong Kong Academy for Performing Arts. Anschließend belegte sie weitere Seminare für Komposition und elektronische Musik am Königlichen Konservatorium in Den Haag. Seit ihrem Abschluss arbeitet sie als Komponistin und Interpretin elektronischer Musik. Parallel dazu war sie Artist-in-Residence bei dem Musiktheater Veenfabriek in den Niederlanden. In ihrer künstlerischen Praxis erforscht sie generell alternative gesellschaftliche und kulturelle Perspektiven, oft bezogen auf das Verhalten von Menschen in und gegenüber alltäglichen Aktivitäten. Ein wichtiger Aspekt dabei ist für Lam Lai, welchen Einfluss Technologien auf Individuen und Gruppen nehmen. Der Transfer von Ideen auf Plattformen für soziale Zusammenarbeit ist ein wichtiger Teil von Lam Lais künstlerischer Praxis. Beispielsweise organisierte sie im Rahmen des Projekts 02022020.SPACE eine globale Live-Streaming-Veranstaltung mit Künstler*innen aus über 30 Städten als Reaktion auf das Palindrom-Datum 02-02-2020.

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