Mund-Stück 2

Nata und Sam waren im Publikum, als die Künstler*innen Ant Hampton und Rita Pauls Mund-Stück performten. Beim Gespräch danach reagierten sie spontan auf die Einladung der Künstler*innen, eine eigene Version 2 von Mund-Stück zu erarbeiten. Also fahren Nata und Sam per Anhalter durch Deutschland. Mit rudimentären Deutschkenntnissen und Audiorekorder im Gepäck lassen sie sich von ihren Fahrgelegenheiten Deutschland zeigen und darüber erzählen. Ihr Ausgangspunkt ist die Grenze, die für sie als Geflüchtete von existenzieller Bedeutung ist. Aus der Recherchereise entwickeln sie eine Performance.

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Performance von Ant Hampton und Rita Pauls in einer neuen Version von Nata und Sam.

 

Der britische Performancekünstler Ant Hampton und die argentinische Autorin und Schauspielerin Rita Pauls reisten gemeinsam per Anhalter kreuz und quer durch Deutschland. Mit dem wenigen Deutsch, über das sie verfügten, fragten sie die Menschen, die sie mitnahmen: »Was müsste Ihrer Meinung nach mal gesagt werden?«

 

In der originalen Performance Mund-Stück werden diese Antworten aus dem Mund von Ant und Rita wiedergegeben – wortwörtlich, mit allen Atem- und Denkpausen, dem Klang der Stimmen und den Akzenten. Bereits zu Beginn ihrer Arbeit stellten Ant und Rita fest, dass die Performance vor allem Fragen nach Migration und gesellschaftlicher Erwartung aufgreifen würde. Sie planten deshalb die Wiederholung des Projekts von Künstler*innen mit unterschiedlichen kulturellen und sprachlichen Hintergründen, deren Motivation, sich mit einem Land zu beschäftigen und dessen Sprache zu erlernen, daher als noch dringlicher erscheint. Das Projekt Mund-Stück stellt das Verständnis von Anpassung an eine Kultur in erster Linie als eine unterwürfige Handlung infrage.

 

Nata und Sam haben eine Aufführung von Mund-Stück in Stuttgart besucht und waren von der Idee begeistert, ihre eigene Version der Performance zu realisieren, nach dem gleichen Protokoll durch Deutschland zu reisen und allen Menschen, denen sie unterwegs begegnen, die gleiche Frage zu stellen: »Was müsste Ihrer Meinung nach mal gesagt werden?« Mit rudimentären Deutschkenntnissen und Audiorekorder im Gepäck brachen sie auf und ließen sich von den Menschen, die sie trafen, das Land zeigen und darüber erzählen. Anschließend lernten Nata und Sam die Antworten auswendig, wörtlich, und nun sprechen und singen sie uns die Antworten zurück.

Nata und Sam

Die beiden Brüder Nata und Sam wurden als Kinder afghanischer Eltern im Jahr 1994 im Iran geboren. Seit fünf Jahren leben sie in Deutschland. Sie beschäftigen sich schon ihr Leben lang mit Musik, Poesie und Geschichte.

© Nata und Sam

Ant Hampton

Der britische Künstler Ant Hampton wurde 1975 geboren. Er ist Gründer von Rotozaza (1998-2009), einem Projekt, das Performance, Theater, Installationskunst, Intervention und schriftbasierte Arbeiten umfasst. Gemeinsam mit Silvia Mercuriali und anderen Künstler*innen realisierte er in verschiedensten Ländern und Sprachen mehr als 20 Rotozaza-Produktionen, die meisten davon mit Laien-Performer*innen, die in bewusst ungeprobten Performance-Situationen agierten.

2007 begann Ant Hampton, das Publikum in seine Stücke miteinzubinden und tourt seitdem international mit seiner Autoteatro-Serie. Seine weitere Arbeit, die er zusammen mit Greg McLaren gestaltet unter dem Titel »The Other People« (La Otra Gente) beinhaltet die Erkundung von »live portraiture«. Dabei handelt es sich um sogenannte »strukturierte Begegnungen« mit Personen aus einem theaterfernen Umfeld.

 

Rita Pauls

Rita Pauls wurde 1993 in Buenos Aires geboren. Sie studierte an der Universidad de Buenos Aires Literaturwissenschaft und Philosophie mit dem Fokus auf Literaturtheorie. Als Performerin war sie in Produktionen aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt zu erleben: »The Natural State« (Regie: Paula Salomón, ARG), »Multitude« (Regie: Federico León, ARG), »Second Time« (Regie: Dora García, Spanien) und »Fantasía soneto después de una lectura de (dance)« (Regie: Dudú Alcón Quintanilha, Brasilien) beschäftigten sich mit der Sprache, der Erschaffung und Erfindung von Intimität und der Bewältigung nicht-kontrollierter performativer Situationen.

Aktuell ist Rita Pauls Mitarbeiterin des Forschungsprojekts »The Bardo, Soft Eyes«, geleitet von der argentinischen, experimentell arbeitenden Dramaturgin Paula Salomón. Darüber hinaus gibt Rita Pauls Workshops (Lyrik, Literatur, Französisch als Fremdsprache) in Räumen jenseits der etablierten Kunstszene von Buenos Aires, darunter sind psychiatrische Kliniken, Privathäuser und freie Kulturzentren. Rita Pauls lebt als Performerin und Autorin in Buenos Aires.