Vor dem Gesetz

Gemeinsam mit ensemble ascolta setzen sich der Komponist Martin Smolka und der Autor und Regisseur Jiří Adámek mit Texten von Franz Kafka u.a. auseinander. Zwischen Konzert und Szene, zwischen Theater und Instrumental-Oper entsteht eine Inszenierung, die auf die Poesie des Details setzt. Worte verlieren ihre Bedeutung, werden Musik und bekommen so einen neuen Sinn. Instrumente sprechen wie Stimmen.

 

Martin Smolka: Vor dem Gesetz für sprechende Musiker mit Nebeninstrumenten

Libretto von Jiří Adámek auf Texte von Franz Kafka und Albert Camus

 

ensemble ascolta

Markus Schwind, Trompete, Stimme, Perkussion

Andrew Digby, Posaune, Stimme, Perkussion

Erik Borgir, Violoncello, Stimme, Perkussion

Hubert Steiner, E-Gitarre, Stimme, Perkussion

Florian Hoelscher, Klavier, Stimme, Perkussion

Boris Müller, Schlagzeug, Stimme

Oliver Frick, Klangregie

Ivana Kanhauser, Licht

Jiří Adámek, Bühne, Regie

 

Eine Produktion von ensemble ascolta, Wittener Tage für Neue Kammermusik, Lucerne Festival und Opernfestspiele Schloss Rheinsberg, gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und die Ernst von Siemens Musikstiftung (Logos Kulturstiftung und Ernst von Siemens)

Dauer: ca. 65 min.

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Das ensemble ascolta hat den tschechischen Komponisten Martin Smolka und den Autor und Regisseur Jiří Adámek eingeladen, gemeinsam ein Musiktheaterprojekt mit den sieben ascolta-Musikern zu entwickeln, das Texte von Franz Kafka und anderen einbezieht. Smolka und Adámek haben für dieses Projekt eine Form entwickelt, die zwischen Konzert und Szene, zwischen Theater und Instrumental-Oper changiert. Anders als in zahlreichen zeitgenössischen Musiktheaterproduktionen wird das begrenzte Potenzial der schauspielerisch-szenischen Elemente nicht dadurch kompensiert, dass eine Vielzahl neuer Ebenen, Medien und Technologien hinzugezogen wird. Eine tiefere Begegnung von Sprache und Musik sucht das Projekt eher in der Beschränkung und Konzentration der Mittel – diese zwingen dazu, der Erfindung einen angemessenen Platz zu schaffen und sorgsam mit dem Material und seinem Potenzial umzugehen. In »Vor dem Gesetz« kommen daher nur die Musiker von ascolta mit ihren spezifischen Fähigkeiten zum Einsatz. Auf weitere Sprecher*innen und Schauspieler*innen wird bewusst verzichtet.

 

Musik als Rede/Rede als Musik, graduelle Integration von sprachlichen und musikalischen Bausteinen: Eine mögliche Annäherung geschieht über die Dekonstruktion von Sätzen zu Wörtern, Silben oder Klängen, die den musikalischen Elementen begegnen. Der Instrumentalpart umkreist die Wortebene auf vielfältige, teils kaum in Notenschrift fixierbare Weise. Das Wort, gefangen in musikalischer Repetition, kann seinen Sinn verlieren und zu einem musikalischen Element mutieren – um als solches einen neuen kontextuellen Sinn zu erlangen. Schließlich erzeugen die verwendeten Instrumente die Illusion von sprechenden Stimmen.

 

Die Autoren vertrauen beim Zusammenspiel von Sprache und Musik der konkreten Metapher und der Poesie des Details. So finden sie bei Kafka eine meisterhafte Observation des Menschen, die detailreiche Beschreibung, das Experiment der Sinneswahrnehmung. Kafkas Blick – freundlich und ironisch, humorvoll und scharf – ist inspirierend für eine Musik der feinen Ironie und der unpathetischen Poesie. Aufführungen fanden bei den Wittener Tagen für neue Kammermusik (UA Mai 2019), bei der Kammeroper Schloss Rheinsberg, beim Lucerne Festival 2019 und beim CONTEMPULS Festival in Prag (November 2019) statt.

© Karel Šuster
© Karel Šuster

ensemble ascolta

Das ensemble ascolta bereichert seit 2003 mit seinem besonderen Klangbild und außergewöhnlichen Projekten die Neue-Musik-Landschaft in Deutschland und Europa. Inzwischen hat ascolta mehr als 250 Werke für seine spezielle Besetzung angeregt und uraufgeführt, darunter Kompositionen von Pierluigi Billone, Francesco Filidei, Beat Furrer, Isabel Mundry, Olga Neuwirth und Hans Thomalla. Das Ensemble gastierte bei nahezu allen wichtigen Festivals für Neue Musik (u.a. Donaueschinger Musiktage, Wittener Tage für neue Kammermusik, Festival Eclat Stuttgart, Lucerne Festival, Ultima Oslo, Wien Modern) und folgte internationalen Konzerteinladungen etwa in die USA, nach Singapur oder Israel.

Die Möglichkeiten szenischer Konzertformate interessieren die sieben Musiker ebenso wie Grenzgebiete zwischen neuer, alter und populärer Musik. In der Zusammenarbeit mit Künstler*innen aus den Bereichen Video, Performance und Multimedia entstanden Projekte wie »Der absolute Film« und »Schatten« (in Kooperation mit ZDF/arte), Jennifer Walshes »The Church of Frequency and Protein«, Simon Steen-Andersens »Inszenierte Nacht« oder aktuell die musiktheatralische Produktion »Vor dem Gesetz« von Martin Smolka und Jiří Adámek.

 

ensemble ascolta wird institutionell gefördert vom Land Baden-Württemberg und der Landeshauptstadt Stuttgart.